Collage eines Schwarz-Weiß-Fotos von Dr. Leon Weintraub so wie einem aktuellen Foto.

Dokumentation

Zeuge der Zeit: Dr. Leon Weintraub

Leon Weintraub ist 13 Jahre alt, als sich sein Leben schlagartig ändert: Im September 1939 marschieren Kolonnen deutscher Wehrmachtssoldaten in seiner polnischen Heimatstadt Łódź ein. Die Erinnerung an diesen schmetternden Klang, sagt Leon Weintraub, ruft noch heute einen Schauer in ihm hervor. Von diesem Tag an beginnt ein Martyrium aus Zwangsarbeit, Hunger und Todesangst.

Produktionsland und -jahr:
Datum:
Sendetermin
21.01.2025
23:10 - 23:55 Uhr
FSK
FSK 12
von 20 bis 6 Uhr

Die Nationalsozialisten benennen nach dem Überfall auf Polen kurzerhand die Industriestadt Łódź in „Litzmannstadt“ um und errichten im Februar 1940 das gleichnamige Ghetto. Leon und seine Familienmitglieder werden dort auf vier Quadratkilometern und unter unmenschlichen Bedingungen gemeinsam mit 160.000 Juden eingepfercht.

„Die Menschen starben wie die Fliegen. 45.000 Menschen sind den Hungertod gestorben oder an Krankheiten im Ghetto. Mit der Zeit waren wir so abgeschwächt. Bis zur Befreiung um den 20. April 1945, also fünf Jahre, acht Monate und drei Wochen, gab es nur eine einzige, ich wiederhole, eine einzige Ausnahme, wo ich mich sattgegessen habe. Diese Zeit habe ich buchstäblich dauernd unter Hunger gelitten.“

Als im Sommer 1944 das Ghetto aufgelöst wird, wird der inzwischen 17-jährige Leon Weintraub ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert. An der berüchtigten Rampe sieht er seine Mutter das letzte Mal. Leon überlebt auch diese Monate der Folter und Todesangst sowie auch seine Weitertransporte ins Konzentrationslager Groß-Rosen und Flossenbürg. Bei seiner Befreiung im April 1945 wiegt Leon Weintraub nur noch 35 Kilogramm.

Im Alter von 94 Jahren erzählt er in diesem bewegenden Zeitzeugenbericht vom Überleben und was ihn nach wie vor jeden Tag antreibt: „Trotz meines Alters, solange ich es schaffe, ist es für mich eine Art Verpflichtung, das, was geschehen ist, nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Denn das Schlimmste, was man den Ermordeten als Nachwort, Nachklang geben könnte, wäre Vergessen.“

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