Kultur
"Kulturzeit" vom 31.03.2025: Mutige Russen gegen den Krieg
Die Themen der Sendung: Projekt "Die Zeugen", Ukraine - Gespräch mit Gwendolyn Sasse, Fotografien von Valery Faminsky, Nachruf Barbara Frischmuth, Theaterstück "Hospital der Geister".
- Produktionsland und -jahr:
-
Deutschland 2025
- Datum:
- Verfügbar
- weltweit
- Verfügbar bis:
- bis 13.04.2025
Projekt "Die Zeugen" - russische Stimmen zum Krieg gegen die Ukraine
"24. Februar 2022 - Die Zeugen" heißt ein Projekt, das in einem geheimen Studio irgendwo in Europa aufgenommen wird. Eine der zentralen Fragen, die allen Interviewpartner*innen gestellt wurde, lautet: Wer trägt die Verantwortung für den Besatzungskrieg? Seit Beginn des Krieges wurden mehr als 700 Personen befragt. Die Ansichten breiter Bevölkerungsschichten in Russland zur Frage, wie es dazu kommen konnte, erforschen mehrere Journalistenteams auf der Flucht, verstreut über ganz Europa. Sie alle stammen vom zerschlagenen, regierungskritischen Sender TV2 aus der sibirischen Stadt Omsk. Ihre wichtigste Erkenntnis aus der bisherigen Arbeit: "Mütter in Russland glauben manchmal eher Putins Fernsehen als ihren eigenen Kindern". Das zentrale Ziel des Projekts ist es, die tiefliegenden Ursachen für Putins blutigen Besatzungskrieg zu analysieren. Wie konnte all das geschehen?
Auch der Berliner Schauspieler Grigory Kofman setzte sich in seinem dokumentarischen Theaterprojekt mit demselben Thema auseinander - der Verantwortung der Russ*innen für den Krieg. Sein Fazit nach mehreren Aufführungen in Berlin und der jüngsten Reise nach Russland fällt ernüchternd aus. "Eine Reflexion über diesen Krieg in Russland zu erwarten, ist aktuell unrealistisch."
Ukraine - Gespräch mit Gwendolyn Sasse
Darüber, was hinter den ständig neu überraschenden Verhandlungen zwischen den USA, Russland und der geschwächten Ukraine bezüglich eines möglichen Friedens steckt, sprechen wir mit der Politikwissenschaftlerin Gwendolyn Sasse, wissenschaftliche Direktorin des Zentrums für Osteuropa- und internationale Studien in Berlin.
Ausstellung "Zwischen Zerstörung und Hoffnung"
Der ukrainische Fotograf Arthur Bondar erkennt 2016 sofort, dass er auf einen besonderen fotografischen Schatz gestoßen ist. In Russland entdeckt er die Bilder von Valery Faminsky. Der soll zum Kriegsende 1945 eigentlich die Arbeit des Roten Kreuzes mit der Kamera begleiten, ist so bei der größten Panzerschlacht auf deutschem Boden dabei. Er fotografiert unverstellt den grausamen Alltag des Krieges, abseits aller Propaganda. 38 dieser Aufnahmen werden jetzt zum 80. Jubiläum der Schlacht um die Seelower Höhen in einer Ausstellung im Schloss Neuhardenberg gezeigt.
Zum Tod der Schriftstellerin Barbara Frischmuth
Die österreichische Autorin Barbara Frischmuth ist tot. Sie starb am 30. März im Alter von 83 Jahren in Altaussee in der Steiermark. Das gab der Residenz Verlag bekannt. "Barbara Frischmuth war ein ganz besonderer Mensch. Ihr Blick auf die Welt war offen und feinfühlig, ihr literarisches Werk war von außergewöhnlicher Tiefe und Vielfalt", würdigte die Verlagsleiterin Claudia Romeder die vielfach ausgezeichnete Schriftstellerin.
Frischmuth lebte als freie Autorin und Übersetzerin im österreichischen Altausee. Von ihr sind unter anderem der Roman "Die Schrift des Freundes" sowie "Fingerkraut und Feenhandschuh" und "Das Heimliche und das Unheimliche. Drei Reden" erschienen. Frischmuths letzte Erzählungen veröffentlichte sie Anfang Februar 2025 unter dem Titel "Die Schönheit der Tag- und Nachtfalter". Immer wieder erhob die Autorin ihre Stimme, wenn statt Verständigung und Toleranz Terroranschläge und Kriege interkulturelle Beziehungen beherrschen oder Flüchtlingspolitik sich nicht als humanitäre Hilfe, sondern als Abschottung herausstellte. Frischmuth erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis 1972, den Anton-Wildgans-Preis 1973 und den Franz-Nabl-Literaturpreis 1999. 2005 wurde sie mit dem Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln gewürdigt.
"Hospital der Geister" am Deutschen Theater, Berlin
In der berühmten 90er Jahre TV-Serie von Filmemacher Lars von Trier geht es um ein marodes Krankenhaus. Darin kämpfen Ärzte gegen Krankheit und Tod. Aber es geht auch um vieles mehr: esoterische Behandlungsmethoden, die Vertuschung ärztlicher Kunstfehler, eine auf Sparkurs getrimmte Krankenhausverwaltung. Dazu spuken Gespenster im Gebäude und Monster werden geboren. Viele von Lars von Triers Werken wurden für das Theater adaptiert, das "Hospital der Geister" findet nun seinen Weg auf die Bühne des Deutschen Theaters: als personenreiches Spektakel, mit Wolfram Koch, Ulrich Matthes und Jonas Sippel, einem Schauspieler mit Handicap, den wir bei seiner Arbeit mit den prominenten Kollegen begleiten.